Donnerstag, 24. Oktober 2013

Der Primark-Heuchler / The Primark hypocrit

Waaaas? Wieso gehst du denn zu Primark?!“, „Halte ich gar nichts von!“, „Würd’ ich nie was von kaufen!“. So oder so ähnlich klangen meine Antworten, wenn es um Primark ging, den Billig-Mode-Discounter aus Irland. Bisher.


Es waren keine Vorurteile, die ich gegen Primark hegte. Ich war bereits lange zuvor einmal in einem Store in Dortmund, als die anderen Filialen in Essen und Köln noch nicht existierten. Mir missfiel fast alles: Das Ambiente mit dem Lager- und Ramsch-Flair, das zu 90% asoziale Klientel, der Geruch nach Chemie und die zum größten Teil aus Polyester bestehende Ware. Nichts für mich.

Neulich unterhielt ich mich mit meiner derzeit liebsten Mode-Gesprächspartnerin Melanie von TheFashionMenue über den Textildiscounter aus England. Melanie berichtete mir von ihren eigenen Erfahrungen mit dem „Kik aus England“. Wie etwa, dass die Ware zwar günstig sei, aber teilweise bessere Qualität als beispielsweise H&M aufweise und sich die Stoffe nicht nach zwei- oder dreimal waschen verziehen würden. (Wer T-Shirts der schwedischen Modekette besitzt, kennt dieses Phänomen nur zu gut.) Oder, dass man dort zumindest gute, preiswerte Basics fände und nicht alles aus Synthetik bestünde. Ich lasse mich stets gerne eines Besseren belehren, also nahmen wir uns vor, dem Essener Primark mal einen Besuch abzustatten.

Kennt ihr diese Bredouille, wenn euch etwas gefällt und ihr es eigentlich nicht gut finden wollt? Die Mode im Schaufenster von Primark gefiel mir auf Anhieb und ich sah mich schon in dem chicen, dunkelblauen Mantel für ’n Appel und ’n Ei. Aber erst einmal hinein. Am Klientel hatte sich ja schon mal nichts geändert. Mit latentem Ekelgefühl vor mir selbst nahm ich mir irgendwann eine der riesigen Einkaufstasche, die sich nach und nach fast schon automatisch mit Longsleeves, T-Shirts, Gürteln und weiteren Accessoires füllte. Die Stoffe und Materialien kritisch im Auge, wühlte ich mich buchstäblich durch die Gänge. Vieles wurde eingesackt, vieles wieder ausgepackt und verworfen. Die Qualität reicht von hundertprozentigen Synthetikstoffen bis hin zu tatsächlich vollständig verarbeiteter Baumwolle.

Der schöne Schein trügt wie so oft. Was im Schaufenster toll aussah, erwies sich in den eigenen Händen und am Leibe oftmals als Enttäuschung (Aber dieses Phänomen kenne ich auch aus teureren Läden). Meine Ausbeute könnt ihr auf den Fotos begutachten. Letztendlich wurde es mehr als gedacht, allerdings unter der Prämisse, keine Basics mit höheren Acryl- oder Polyesteranteil an meine Haut zu lassen und nur Teile zu kaufen, die mich durch Optik und/oder Stoff und Verarbeitung überzeugen. Als kleines Highlight erwies sich die braune Jacke aus Lederimitat. Das ein oder andere Stück könnt ihr sicherlich in meinen zukünftigen Outfitposts begutachten.

Die "Spiced Mulberry"-Duftkerzen kann ich übrigens nicht empfehlen. Angezündet riechen die Dinger wie brennende Schweißsocken.
Als wir auf der Rolltreppe zur Tür standen, sagte Melanie: „Wenn ich länger als eine Stunde hier drin bin, kriege ich von den Dämpfen immer Kopfschmerzen“. Erst in diesem Moment bemerkte ich das brennende Gefühl in meiner Nase und den leichten Schmerz in meinem Kopf. 


                                                          Eine SEHR interessante Doku zum Thema Primark.

Manche Aspekte meiner Meinung über den Billig-Anbieter konnte auch der positive ausgegangene Mode-Streifzug nicht ändern. Ich halte Primark immer noch für eine zweifelhafte Versinnbildlichung des gesellschaftlichen Verfalls und unserer immer konsumgeileren und schnelllebigeren Gesellschaft. Möglichst viel konsumieren und besitzen, schnell kaufen, noch schneller entsorgen, den Überblick verlieren, verschleißen lassen, vergessen, neu kaufen. Meine Primark-Mode allerdings, wird, sofern sie nicht von alleine vorschnell verschleißt, länger in meinem Besitz bleiben. Und vor allem häufig und für eine lange Zeit getragen werden. Macht mich das nun zu einem Primark-Heuchler?


 




Whaaaat? What takes you to Primark?!“, „I don’t like it.“, „I would never buy anything there“. That’s what my answers usually sounded like when I sometimes talked about the cheap fashion discounter from Irleland. Until now.

My thoughts about Primark weren’t only prejudices. Long before the stores in Essen and Cologne existed, I visited a shop in Dortmund. I disliked almost everything: The ambiance with its cheap and dirty flair, the 90 % unsocial clientele, the smell of chemistry and the fabrics mostly made of polyester. Definitely not my cup of tea!

Lately I was talking to my currently most beloved fashion-topic interlocutor Melanie from TheFashionMenue about the fashion discounter from England. She told me about the very own experiences with Primark she made so far. According to her experiences, the products in some way would offer a better quality than for example H&M and the Tshirts would not twist after washing them twice (If you possess a T-Shirt by H&M you might know this phenomenon very well). Or she told me that you can find good value for your money and not all of the fabrics were made of synthetics. I absolutely don’t have a problem with beeing disabused so we planned a trip to Primark.

Do you know this dilemma when you like something but you actually don’t want to like it? I liked the fashion in the windows of Primark straightaway and I already could see myself in the nice, Prussian blue coat. The clientele hasn’t changed so far. With a latent revulsion I grabbed one of the huge shopping bags, which got filled with T-shirts, longsleeves, belts and other accessories bit by bit. With a critical view on the fabrics I made my way through the corridors. A lot of stuff got bagged, a lot of stuff got unpacked and sorted out again later. The quality sprawled from completely synthetics to indeed a hundred percent cotton wool.

Appearances are often deceiving. Things that looked good in the window often turned out to be a huge disappointment between your fingers and on you (But you also experience this phenomenon in other stores). You can see my pickings on the pictures. In the end, it became more than expected. But always under the assumption of only buying those clothes I am convinced of in terms of fabrics and/or their converting. And stuff without a bigger portion of synthetics that aren’t real cotton. A little highlight became the brown leather jacket imitation. You will definitely recognize some of these in future outfit posts.


As we stood on the escalator to the exit Melanie said: „When I stay inside these stores more than an hour I get a headache from all those vapours.“ Just in this moment I noticed the burning feeling inside my nose and the light pain in my head.


Some aspects of my opinion about the discounter did not change even after this more or less successful shopping spree. I still think that Primark is an arguable symbolization of the social degeneration and our increasingly consumption-orientated and fast-living society. Consuming and possessing as much as possible, buy fast, get rid of even faster, lose track of, waste, forget and buy new. My Primark fashion, however, will, if it won’t abrade by itself too soon, stay in my closet for a long time. And it will be worn especially often. Does this now make a Primark hypocrit out of me?



Kommentare:

  1. "man möchte etwas nicht gut finden" du sprichst mir aus der seele =D

    AntwortenLöschen
  2. Die Fliegen sind toll. Mag ich gern. ;)

    Im Endeffekt ist dieser Streit um Primark doch verrückt. Auch das ZDF Video ist an vielen Stellen einfach überzogen dargestellt. Primark produziert unter den gleichen Bedingungen wie viele europäische Bekleider. Ob H&M, C&A, Primark. Das macht doch alles keinen Unterschied. Außer das Primark eben Sachen & Preise hat, die es woanders nicht gibt. Und das ist nun mal das tragende Kaufsargument.

    Hatt man genug Kohle für 'nen Burberry-Trench über, geht man natürlich nicht zu Primark. Das ist jetzt natürlich etwas simpel gesagt, aber auf kurz oder lang geht es doch nur darum.

    Niemand will sich schließlich gerne mit dem Blut anderer Leute beschmieren. Aber dann kann man genauso fragen warum die Leute bei Amazon und Zalando bestellen, oder zu Aldi gehen.

    Knutsch,
    Ally

    AntwortenLöschen