Montag, 27. Januar 2014

Frech und frivol zur Erfüllung des eigenen Traums – Whatthefuck macht’s vor

Immer wieder kommen mir Geschichten von irgendwelchen Trotteln Laien zu Ohren, die ganz plötzlich, wie aus der Pistole geschossen, die Idee äußern: „Komm, machen wir ein eigenes Model-Label!“. Den leicht gefällten Entschluss,„in Mode zu machen“, begründen sie mit der vermeintlichen Einfachheit, „mal eben ein paar T-Shirts zu bedrucken, diese dann bei Promis von A bis Z und α bis Ω vor die Haustür zu legen, in sämtlichen Modemagazinen/Blogs aufzutauchen und zack, die ganz große Kohle zu scheffeln“. Dass der Schritt der eigenen Label-Gründung ein so großer und schwieriger ist, vor dem selbst heute bekannte und gelernte Designer-Profis zurückschrecken, bedenken die Meisten erst gar nicht. Genauso wenig wie den Fakt, dass ein eigenes Label Geld, Zeit, Startkapital, Know-how und einen gut durchdachten Businessplan voraussetzt.
 
Alle Bilder: © Whatthefuck.
Auch Studentin Christina Müller kam auf die Idee, ein eigenes Label zu gründen. Letztes Jahr ging Whatthefuck (wtf) mit frechen Sprüchen auf T- Shirts und Tanktops an den Start. Schnell erlangte die provokante, materialisierte Verbalität an Aufmerksamkeit und gerade unter Mode-Insidern hohen Bekanntheitsgrad. Aber was unterscheidet Christina und wtf von den zahlreichen Schnellschießern, die mal eben ein Label gründen und es nach fünf verkauften T-Shirts wieder einstampfen? In meinem ersten Interview für www.doredani.de fragte ich Christina und ihre Mitstreiterin Chrissi darüber aus.

Hier findet ihr übrigens meinen Outfit-Post mit meinem Lieblings-Whatthefuck-Tanktop...
 
Daniel: Fast jeder hatte bereits einmal die Idee, ein eigenes T-Shirt zu bedrucken. Aber wie kommt man auf die Idee von T-Shirts mit solchen Sprüchen?

Christina: Ich gestehe, ich war etwas betrunken (lacht) und saß mit einer Freundin zusammen, die sich furchtbar aufregte, weil ein Mann ihre Liaison mit der Aussage „Es sprudelt einfach nicht!“ beendete. Da dachten wir: Das ist so ein scheiß Spruch, den müsste man eigentlich jeden Tag auf einem T-Shirt tragen. Genauso blöd wie „Es liegt an mir, nicht an dir“ oder „Lass uns Freunde bleiben“. So kam eins zum anderen.

Daniel: Aber das alleine reicht noch nicht, um direkt ein ganzes Label zu gründen.

Christina: Ich studiere Modemanagement an der AMD in Düsseldorf, und es stand gerade unsere Praktikumszeit an. In meinem Praktikum war ich allerdings sehr unglücklich und ein anderes bekam ich leider nicht. Da fasste ich den Entschluss, diese Label-Idee einfach umzusetzen, da ich so auch viel mehr Erfahrung sammeln konnte, als durch ein Praktikum in irgendeinem Großraumbüro.

Daniel: Wahre Worte! Wie ging es dann weiter? 

Christina: Ich verfasste einen Businessplan, legte diesen an meiner Uni vor und suchte mir Sponsoren. Und schließlich kam ich aus der Nummer nicht mehr heraus.

Daniel: Wie tastet man sich an so ein schwieriges Terrain wie der Gründung eines eigenen Labels heran?

Christina: Ein Quäntchen Glück spielte da immer wieder eine Rolle, da sich viele Sachen von selbst ergaben. So konnte ich die gesamte Ausrüstung für den Siebdruck von einem Bekannten übernehmen. Zudem riskierte ich auch einfach etwas, bestellte die Ware, bevor ich wusste, wie man sie bedruckt. Lieferanten zu finden war nicht so einfach, aber der Durchbruch kam letztendlich durch den Start des Onlineshops.

























Daniel:
Was hat dich dieser Start-up gekostet?


Christina: Einen Betrag deutlich im vierstelligen Bereich. Der eigentliche Preis, den man bezahlt, ist es, den Stress, die Sorgen und den Druck, den so ein Schritt mit sich bringt, auszuhalten. Zum Glück bin ich sehr vielen lieben Menschen begegnet, die mir selbstlos und aus Interesse an dem Projekt geholfen haben und mir mit Rat und Tat zur Seiten standen. Mein selbstständiger Vater oder seine Steuerberaterin, die mich ganz toll unterstützten und es immer noch tun.


Daniel: Das klingt anfangs alles wie eine nette kleine Idee á la „wir machen uns jetzt einfach mal ein kleines Label“. Wo ist für dich der Unterschied zwischen „Praktikums-Notlösung“ und wirklich ernsthaft selbständigem Label?

Christina: Ich beiße mich gerne an solchen Ideen fest und nehme sie sehr ernst. Habe mich mit Dozenten an der Uni zusammengesetzt, Business- und Finanzpläne ausgearbeitet, viel belegt und recherchiert, direkt ausprobiert und gedruckt. Mittlerweile ist diese ganze Sache auch zu groß geworden, um es bei einer Praktikums-Idee zu belassen. 
 
Der Siebdruck-typische Drehtisch.


Daniel: Wie lange dauerte es, in die Siebdruck-Materie einzutauchen?

Christina: Ich hab locker zehn Wochen gebraucht, bis es richtig geklappt hat. Von der ersten Berührung mit der Maschine bis hin zu „jetzt kann man es verkaufen“. Tagsüber schrieb ich an meinem Businessplan und abends bedruckte ich die T-Shirts.
Chrissi: Bis ich das erste Mal mitgedruckt habe, dachte ich nicht, dass so viel Schweiß und Arbeit in einem T-Shirt stecken! Eine unglaubliche Sauerei! (lacht)

So sehen die Siebe aus, die mit Farbe beschmiert
und als Durckvorlage verwendet werden.
Mit viel Fingerpitzengefühl, noch mehr Know-How und
einer Prise Glück sieht das Ergebnis dann so aus.

Daniel:
Betrachtet man den bisherigen Werdegang von wtf, fällt auf, dass ihr euch sehr oft an Blogger wendet. Wie kam es zu diesem Schritt? Sind Modeblogger für euch eine günstige Werbefläche?


Christina: Nein, es lag einfach an der positiven Resonanz von befreundeten Bloggern und ihren Lesern. Beispielsweise wenn ein bestimmtes Shirt präsentiert wird und direkt danach mehrere Bestellungen für genau dieses T-Shirt eintrudeln.

Daniel: Noch vor ein paar Jahren legte man seine neusten T-Shirts vor die Haustüt von Madonnas Tochter Lourdes, um so schnell bekannt zu werden. Heute laufen Blogger den Stars ihren Rang ab und werden selbst zu kleinen Superstars.

Christina: Meiner Ansicht nach profitieren hier beide Seiten. Wtf hat bisher die Erfahrung gemacht, dass je größer der Name ist, umso schwieriger ist es heran zu kommen. Zudem gefällt uns dieser Persönlichkeitsfaktor und der ehrliche Hintergrund des Bloggens. Du hättest dich schließlich auch nicht mit uns getroffen, wenn dir unsere Sachen nicht gefallen würden, oder?

Daniel: Doch natürlich, Hauptsache umsonst! Nein, das stimmt natürlich. Ein wichtiger Aspekt ist sicherlich auch der Persönlichkeitsfaktor für den Kunden, nach dem Motto: Dieses Shirt ist direkt für dich gemacht“.

Chrissi: Genau. Wir bieten keine Ware von der Stange an, sondern drucken erst nach Bestellung und dann direkt für den Käufer. Dieser Individualitätsgedanke dahinter gefällt uns und den Kunden sehr. Große Anzeigen zu schalten würde vom Gefühl her einfach nicht passen. 

T-Shirts wie...
... direkt für dich gemacht.

Daniel:
„Der Schritt zur nachhaltigen Produktion und fairem Handel war nicht weit“ heißt es in eurer Pressemitteilung. Wie garantiert ihr diesen fairen Handel? 

Christina: Einer der Gründe, weshalb ich mich für Continental Clothing entschieden habe, ist ihre Zertifizierung und ihre Teilnahme an Fair Wear und Oeko-Tex 100. Wenn wir schon so etwas Besonderes und Individuelles machen, dann auch in vernünftiger Qualität aus hundertprozentiger Baumwolle. 

Christina Müller von wtf.
Daniel: Fair Trade kostet aber mehr. Ist es für ein Start-Up-Unternehmen nicht immer eher eine Frage der Kosten anstatt der Ideologie?

Christina: Es passt einfach besser zu dem, was wir vermitteln wollen. Klar, würden wir mehr Gewinn ohne diese Auflagen machen, aber das ist es uns einfach wert.

Daniel: Wtf ist darauf ausgelegt zu provozieren, ist laut und direkt mit der Faust ins Gesicht. Hattest du keine Angst vor so einem krassen Namen? Stell dir mal vor, du gehst eines Tages im Büro ans Telefon: „What the fuck?!“

Christina: Das Label sollte mich und mein Wesen verkörpern und schlichtweg authentisch sein. Ein Name wie Blümchenwiese wäre einfach nicht ich. Ich fluche und schimpfe viel. Meine Mama fragte mich auch ganz traurig: „Christina, muss das denn sein?“ (lacht).

Chrissi: Die Sprüche sind schon nicht mehr ironisch, sondern gar sarkastisch. Da passt so ein Name einfach viel mehr.
Daniel: Wir werden im Alltag mit etlichen Informationen zugeballert: Facebook, Twitter, Instagram, Nachrichten, Werbung und noch mehr. Warum mit den wtf-Shirts und den Statements auf ihnen anderen Leuten auch noch seine Gemütslage aufs Auge drücken?

Christina: Ich wollte mit wtf ganz dringend weg von diesen Motto- und Statement-Shirts . Deshalb sind unsere Texte auch auf Deutsch. An manchen Tagen fühlt man sich einfach danach, der Welt nonverbal mitzuteilen, wie genervt man ist.

Daniel: Dafür, dass wtf noch sehr jung ist, läuft es mit mehreren hundert Facebook-Fans und etlichen Blogger-Artikel schon wirklich gut. Gibt es auch negative Seiten?

Christina: Fehlende Unterstützung und Interesse seitens der Uni oder mancher Kommilitonen. Da würde man sich schon mehr Support wünschen, vor allem da bekannt ist, dass wtf existiert.
 
Nicht persönlich nehmen!
Daniel: In der Anfangseuphorie eines Start-Ups möchte man am liebsten alles und das gleich. Müsst ihr euch manchmal bremsen hinsichtlich Sprüche und Kleidungsvarianten?

Christina: Wir haben erst einmal bewusst für zehn Sprüche entschieden. Demnächst bieten wir auch Hoodies mit wtf-Logo an. Für das Frühjahr planen wir auch noch ein paar Neuerungen.

Daniel: Werfen wir jetzt mal einen Blick in die Zukunft! Wie wird es mit wtf weitergehen?

Chrissi: 2014 werden wir viel mehr mit Grafiken und vielseitigerer Gestaltung arbeiten. Wir werden uns verändern, aber in kleinen Schritten. Die neue Kollektion, die im Januar/Februar erscheint, Zusammenarbeit mit einigen Läden und Kooperationen mit anderen Musikern.

Christina: Als nächstes schreibe ich über das ganze Projekt eine Bachelor-Arbeit. In einem Jahr schließe ich die Uni ab und hoffe, danach ein halbes bis ein Jahr nur für das Label arbeiten zu können. Zur Not nebenbei noch etwas jobben, um meinen Traum verwirklichen zu können.

Daniel: Ich bin beeindruckt von eurem Engagement und der Leidenschaft, die ihr in wtf steckt, und wünsche euch viel, viel Erfolg für alles was noch kommt! Bis die Tage! ;)

Gewinne, Gewinne, Gewinne:

Euch gefallen die T-Shirts und das Engagement von wtf? Unterstützt das Label mit einem Like auf Facebook oder direkt mit einem Einkauf in ihrem Onlineshop. Für alle, denen es gerade am nötigen Kleingeld fehlt, verlose ich mit freundlicher Unterstützung von wtf drei Shirts mit den frivol-frechen Sprüchen: 
  • 1 Tanktop / 1 V-Neck - Größe M: "Bis die Tage."
  • 1 Tanktop - Größe M: "Es sprudelt einfach nicht."
Alles, was ihr dafür tun müsst, ist, diesem Blog auf Facebook oder Google-Friends zu folgen und in den Kommentaren mittzuteilen, worüber ihr folgt und wer ihr seid (am besten mit Facebook-Namen und/oder E-Mail-Adresse plus welches Shirt ihr gewinnen wollt. Falls ihr bereits Follower seid gebt eure Daten in den Kommentaren an.) Die T-Shirts werden auch dann zugeschickt. Porto bezahlt der liebe Gott. 
Die Verlosung dauert ca. zwei Wochen und endet am 09. Februar 2014 bis 23:59 Uhr.

Viel Glück!

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